Lass zucken!

Die Pride Parade »Behindert und verrückt feiern« stellt die gesellschaftliche Norm in Frage und will die Macht der Scham brechen.

Auf der Berliner Urbanstraße wird es am kommenden Sonnabend zu Behinderungen kommen. Mit Blockaden durch glitzernde Rollstühle wird zu rechnen sein. Seltsame Vögel und Verrückte werden Anwohnerinnen und Anwohner irritieren. Ungewohnte Körper werden spastisch zucken zum wummernden Bass des Lautsprecherwagens. Aus Gehhilfen werden Tanzhilfen mit Stil. Weiterlesen

Jungle World # 28, 11. Juli 2013

 

Das echte Leben

Für die Hauptfigur des Hollywoodfilms „The Sessions“ sind Liebe und Sex das Wichtigste. Der echte Mark O’Brien hatte noch viele andere Anliegen.

Mitten im Raum steht sie, die Maschine, die „Eiserne Lunge“. Wuchtig, regelmäßig laut zischend. „Sie ist groß, gelb und hässlich, aber sie funktioniert. Sie hilft mir atmen – ob ich will oder nicht.“ Das riesenhafte Gerät dominiert Mark O’Briens winziges Ein-Zimmer-Appartement im kalifornischen Berkeley. Heraus schaut nur sein Kopf. Das Vakuum, das die Eiserne Lunge alle drei Sekunden in ihrem Innenraum erzeugt, weitet Mark O‘Briens Brustkorb – dadurch saugt er automatisch Atemluft durch die Nase ein. So begegnet man Mark O’Brien als Zuschauer des Films „Breathing Lessons: The Life and Works of Mark O’Brien“

Weiterlesen: MENSCHE_2.13_Marc-O-Brian

Menschen – Magazin der Aktion Mensch, #2/2013

Von der Fürsorge zur Selbstbestimmung. Wie behinderte Menschen in der BRD undankbar wurden

Weil sie den Anblick einer Gruppe behinderter Menschen an ihrem Urlaubsort hatte ertragen müssen, hatte eine Frau gegen ihren Reiseveranstalter geklagt. Mit Erfolg: Das Frankfurter Landgericht sprach ihr im Februar 1980 Schadensersatz zu. Gemeinsam mit den Behinderten den Speisesaal benutzen zu müssen sei unzumutbar, heißt es in der Urteilsbegründung: „Es ist nicht zu verkennen, dass eine Gruppe von Schwerbehinderten bei empfindsamen Menschen eine Beeinträchtigung des Urlaubsgenusses darstellen kann.“ Weiterlesen
Mondkalb – Zeitung des Organisierten Gebrechens, #1 2012

Mal sehen wohin die Reise geht

„Einen Moment bitte, ich brauche absolute Ruhe“ sagt Reinhard Fißler. Er singt eine kurze Tonfolge ins Mikrofon, dann spricht er etwas hinein. Reinhard Fißler komponiert. Der ehemalige Sänger der Band Stern Combo Meißen arbeitet an einem neuen Song. Morgen will er eine erste Version im Studio aufnehmen, in Meißen, zusammen mit alten Musikerkollegen. „Da werd ich wohl noch bis Mitternacht dran arbeiten, ich muss mir meine Kräfte ein bisschen einteilen“, sagt Fißler. Weiterlesen

Mondkalb – Zeitung für das Organisierte Gebrechen, #1 2011

Eine Karte für alles, was Räder hat

Ausgehen, Städte besichtigen, Freunde in Cafés treffen – RollstuhlfahrerInnen müssen das gut vorplanen. Sich zu vergewissern, ob Orte zugänglich sind, ist oft nervenaufreibend und schwierig. Die „Sozialhelden“, eine Berliner Gruppe sozial engagierter junger Menschen, hat für dieses Problem eine einfache Lösung gefunden. Vorausgesetzt, man verfügt über einen Online- Zugang oder noch besser ein Iphone von Apple. Denn die Webseite http://www.wheelmap.org soll eigentlich eine mobile Orientierungshilfe sein: Auf Online- Stadtplänen zeigt Wheelmap Infos über die Rollstuhlzugänglichkeit von Orten, die von den Nutzer- Innen selbst aktualisiert werden können. Einer der Köpfe hinter Wheelmap ist Raúl Krauthausen, Mitgründer des Vereins „Sozialhelden“. Als Rollstuhlfahrer steht er selbst täglich vor dem Problem, in Gebäude, Busse oder Bahnen nicht hineinzukommen. Weiterlesen
Mondkalb – Zeitung des Organisierten Gebrechens, #1 2011

Self-Determination: The Other Side of the Coin. Reflections on a central but ambiguous term of the German Disability Rights Movement

Since its beginning, independent living has been a crucial demand of the German Disability Rights Movement. The call for independent living and the refusal of its opposite, heteronomy, is the focal point of its critique. Disabled people realized that the way in which disabled people are treated in terms of social policy and of personal care is a form of discrimination and not a natural outcome of their „fate“. This insight enabled people with disabilities to claim independent living as a form of liberation. This article sheds light on a critical maxim of the German Disability Rights Movement, its merits and shortcomings, and uses the example of labor and employment as a means for examining its significance.

Weiterlesen

Disability Studies Quarterly, Spring 2006, Volume 26, No. 2
Mit Birger Siebert