Sprache und Behinderung historisch und aktuell – Radio Corax

Am 27. Januar 2017, dem Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, gedachte der Bundestag den Opfern der NS-„Euthanasie“. Schon das Wort NS-„Euthanasie“ zeigt: Wir setzen Anführungszeichen – aber wir nutzen die Sprache der Täter_innen. Wir sprachen mit der Wissentschaftlerin und Aktivistin der Behindertenbewegung Rebecca Maskos über die Herausforderung, historische Sprache über Behinderung nicht zu reproduzieren und Begrifflichkeiten zu hinterfragen. Letzteres betrifft nicht nur historische Sprache, auch heute ist das Sprechen über behinderte Menschen geprägt von falschen Zuschreibungen. Was gilt es zu hinterfragen und zu ändern? Zu Beginn gibt Rebecca Maskos eine persönliche Einschätzung der Gedenkveranstaltung im Bundestag am 27.Januar 2017.  Nachhören

Interview Radio Corax, 3.2.2017

Gespräch: Ein ganzes halbes Jahr – gefühlvolles Drama oder „Disability Death Porn“?

Bestsellerautorin Jojo Moyes war von der Kritik an der Verfilmung ihres Buchs „Ein ganzes halbes Jahr“ angeblich überrascht. Dabei bedient die Story um einen querschnittsgelähmten Millionär, der Erlösung in der Sterbehilfe findet, ein bekanntes Narrativ.


DeutschlandradioKultur, Kompressor, 22.6.2016

Auf Abwegen. Der Shitstorm um Monika Lierhaus

Der Fall Monica Lierhaus zeigt, dass der Weg von der Akzeptanz individuellen Leidens an Behinderungen zu Euthanasiephantasien nur kurz ist.

Monica Lierhaus, wer war das noch gleich? Na, diese Sportmoderatorin, die bei der WM 2006 und bei der EM 2008 der deutschen Nationalelf das Mikro unter die Nase hielt. Die dann 2009 eine Hirnoperation hatte, bei der lebensgefährliche Komplikationen auftraten, weswegen sie vier Monate lang ins künstliche Koma versetzt wurde. Momentan steht die ehemalige »Sport­schau«-Moderatorin mal wieder im Zentrum medialer Aufmerksamkeit. Weiterlesen

Kommentar in der Jungle World # 31, 2015

Leidmedien – Menschen mit Behinderung in den Medien

Vortrag beim Zentrum für Disability Studies, Universität Hamburg, Ringvorlesung Disability Studies, 15.4.2013

Liebe Leute vom ZeDiS, liebe Zuschauer_innen und Zuhörer_innen,

vielen herzlichen Dank für die Einladung zur Ringvorlesung. Ich freue mich, Ihnen und Euch das Projekt Leidmedien.de vorstellen zu können – eine Webseite des Berliner Vereins Sozialhelden e.V. Die Idee und Initiative zu Leidmedien.de hatte Sozialhelden-Vorstand Raul Krauthausen, selbst Rollstuhlfahrer und oft Interviewpartner für verschiedene Medien. „Wieso behaupten die Medien eigentlich ständig, dass wir Menschen mit Behinderung ‚leiden‘, ‚tapfer unser Schicksal meistern‘? Oder sind erstaunt, dass wir ‚trotz der Behinderung“ ein ’normales Leben’ führen? Wenn die Medien soviel beeinflussen, dann stellt sich doch die Frage, wie wir sie verändern können“, sagt Krauthausen. Leidmedien.de soll deshalb typische Sprachklischees und stereotype Medienrepräsentationen von Behinderung in Frage stellen und Alternativen vorschlagen. Die Webseite ist ein praxisnaher Online-Ratgeber, der vor allem Journalist_innen und Medienschaffenden Tipps geben soll, wie sie weniger einseitig und diskriminierend über behinderte Menschen berichten können. Als Projektleiterin und Redakteurin habe ich Leidmedien.de mit auf den Weg gebracht und bin nun beratend für das Leidmedien-Team, bestehend aus der jetzigen Projektleiterin Lili Masuhr, Andi Weiland und Raul Krauthausen, tätig. Ich werde im ersten Teil des Vortrags von Leidmedien.de und seinen Hintergründen erzählen und dann näher darauf eingehen, warum sich Klischees in der Darstellung behinderter Menschen immer noch halten und welche Funktionen sie möglicherweise erfüllen (sowohl in non-fiktionalen als auch in fiktionalen Formaten). Dazu „springe“ ich jetzt gleich mal in eine erste Klischeedarstellung „rein“.

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Der Tag an dem mein Rollstuhl fortging

Es war stürmisch. Der Herbst wollte sich nicht länger verstecken. Höhnisch rann der Regen in senkrechten Strömen die Scheiben des ICEs herunter. Meine Laune war dementsprechend finster. Gerade hatte ich einen von diesen miesen Filterkaffees erstanden, mit denen die Bahn ihre Kunden für knapp drei Euro zu demütigen pflegt. Schräg gegenüber war so eine Businesstante schlafend mit dem Kopf auf die Zugtischplatte gesunken. Ich stellte mir die Melange ihres zerlaufenen Make-Ups auf der Laptoptastatur vor. Weiterlesen

Mondkalb – Zeitung des Organisierten Gebrechens, #1 2011