Was nicht passt wird passend gemacht. Über das „Ashley-Treatment“ und die Zurichtung von zu kleinen und zu großen Körpern

Neulich bei Karstadt. Der dritte Stock ist schon eine Herausforderung. Der Knopf mit der Drei drauf ist verdammt weit oben. Also auf den Rolli stellen, den Arm weit ausstrecken. Beim Aussteigen kommt mir ein Kind entgegen, verwirrte Blicke. Fragen werden gestellt: Warum ist die Frau so klein? Ist sie noch Kind oder schon erwachsen? Weiterlesen

Mondkalb – Zeitung für das Organisierte Gebrechen, #1 2007

Self-Determination: The Other Side of the Coin. Reflections on a central but ambiguous term of the German Disability Rights Movement

Since its beginning, independent living has been a crucial demand of the German Disability Rights Movement. The call for independent living and the refusal of its opposite, heteronomy, is the focal point of its critique. Disabled people realized that the way in which disabled people are treated in terms of social policy and of personal care is a form of discrimination and not a natural outcome of their „fate“. This insight enabled people with disabilities to claim independent living as a form of liberation. This article sheds light on a critical maxim of the German Disability Rights Movement, its merits and shortcomings, and uses the example of labor and employment as a means for examining its significance.

Weiterlesen

Disability Studies Quarterly, Spring 2006, Volume 26, No. 2
Mit Birger Siebert

Der Versuch zur Enthinderung der Wissenschaft. Ein Überblick über die Disability Studies in den USA aus der Sicht einer Gaststudentin

Als ich im Sommer 2000 zum ersten Mal in das Institut in Chicago rollte, in dem ich mein Auslandsstudienjahr verbringen sollte, traute ich meinen Augen kaum: abseits vom Hauptcampus, in einem Gebäude, das außen wie ein Büro, und innen wie ein Krankenhaus aussah, versammelte sich eine kleine Handvoll buntgemischter Leute unterschiedlichen Alters, einige mit, einige ohne Behinderung. Sie allein waren meine zukünftigen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Wie in meinem Studiengang Psychologie, „zuhause“, an der Uni Bremen, ging es hier nicht zu: statt mit 20 oder 30 saß ich mit 5 oder 6 von ihnen in einem Arbeitsraum. Statt einer Cafeteria oder Mensa gab es nur ein paar Automaten, statt der mir in Deutschland bekannten heimeligen Zettelbretter und Grafitti glänzten hier die gekachelten Flure – denn schließlich befand ich mich auch weniger in einem typischen College, sondern eher in einem Büro- und Arbeitsgebäude. Und statt der unverbindlichen Leseempfehlung zwischen den Seminarsitzungen gab es hier schon mal klaglos 2-3 Artikel plus einem Buch Pflichtlektüre als „Hausaufgabe“ – kein Wunder, nahmen doch alle Dozenten wie Studierende ihr Fach sehr ernst. Hier arbeiteten alle – Studierende und Lehrende – an einem gemeinsamen Projekt: das traditionelle Verständnis von Behinderung durcheinander zu bringen und auf neue Beine – bzw. Räder – zu stellen.
Weiterlesen

 

Psychologie & Gesellschaftskritik, 2005, 29 (113), S. 127-139

Diplomarbeit „Leben mit dem Stigma: Identitätsbildung körperbehinderter Menschen als Verarbeitung von idealisierenden und entwertenden Stereotypen“

Meine Diplomarbeit ist online zu finden in der Datenbank Bidok (Digitale Bibliothek der integrativen / inklusiven Pädagogig, Universität Innsbruck)

Einleitung

Auf der Suche
wohin hab ich nur
heute wieder
mein ich
verlegt
ich glaube
du, NB*
stehst drauf

*NB bedeutet: NichtbehinderteR

Tanja Muster, 1997, 2001

Der Begriff der Identität, ob in seinen modernen, „postmodernen“ oder traditionelleren Fassungen, zeigt ein soziologisch gewendetes Verständnis von „Selbst“ oder „Persönlichkeit“. Als Vermittler zwischen Individuum und Umwelt weist er auf die Relevanz gesellschaftlicher Zuschreibungen für das Selbstverständnis von Individuen hin. Gerade dieser besondere Gehalt ist es wohl, der Identität in den letzten Jahrzehnten zu einem Modebegriff hat werden lassen, mit dem der gesellschaftliche Wandel des Subjekts fassbar wird. So basal dieser Prozess für die Selbstsicht jedes Individuum auch ist, so bedeutsam wird er jedoch für Mitglieder gesellschaftlicher Randgruppen, die oft in besonderem Maße mit konflikthaften Zuschreibungen konfrontiert werden. Weiterlesen

Universität Bremen, Fachbereich 11, Studiengang Psychologie, 2004